Diabetes mellitus gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Alter. In Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft rund 8,9 Millionen Menschen mit einer diagnostizierten Diabetes-Erkrankung – etwa jeder vierte Mensch über 65 Jahre ist betroffen (Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2024). Die überwiegende Mehrheit, rund 90 bis 95 Prozent, leidet an Typ-2-Diabetes.
Wenn Ihr Angehöriger im Alter an Diabetes erkrankt ist und zu Hause gepflegt wird, kommen besondere Anforderungen auf Sie zu: regelmäßige Blutzuckermessungen, eine angepasste Ernährung, die korrekte Medikamenteneinnahme und das Erkennen von Notfallsituationen. Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen Überblick, worauf es in der häuslichen Pflege bei Diabetes ankommt.
Was ist Diabetes mellitus?
Bei Diabetes mellitus kann der Körper den Blutzucker (Glukose) nicht mehr ausreichend regulieren. Es gibt verschiedene Typen:
- Typ-1-Diabetes: Der Körper produziert kein oder kaum noch Insulin. Betrifft meist jüngere Menschen, kann aber auch im Alter bestehen.
- Typ-2-Diabetes: Der Körper reagiert nicht mehr ausreichend auf Insulin (Insulinresistenz) oder produziert zu wenig. Entsteht meist im mittleren und höheren Lebensalter und ist mit Übergewicht, Bewegungsmangel und genetischer Veranlagung verbunden.
Im Alter ist Typ-2-Diabetes besonders tückisch, weil Symptome wie Müdigkeit, vermehrter Durst oder häufiges Wasserlassen leicht als normale Alterserscheinungen abgetan werden. Unbehandelt kann Diabetes jedoch zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen führen – darunter Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen, Sehverlust und das diabetische Fußsyndrom.
Besondere Risiken bei Diabetes im Alter
Ältere Menschen mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für bestimmte Komplikationen, die in der häuslichen Pflege besondere Aufmerksamkeit erfordern:
Unterzuckerung (Hypoglykämie)
Eine Unterzuckerung ist die häufigste akute Komplikation bei Diabetes im Alter und kann lebensbedrohlich werden. Typische Anzeichen sind Zittern, Schweißausbrüche, Verwirrtheit, Schwindel oder plötzliche Wesensveränderungen. Bei Menschen mit Demenz kann eine Unterzuckerung besonders schwer zu erkennen sein, weil die Symptome den demenzbedingten Verhaltensänderungen ähneln. Halten Sie für den Notfall immer Traubenzucker oder Fruchtsaft griffbereit.
Überzuckerung (Hyperglykämie)
Anhaltend hohe Blutzuckerwerte können zu Müdigkeit, vermehrtem Durst, Sehstörungen und im schlimmsten Fall zum diabetischen Koma führen. Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker beschleunigt außerdem die Folgeerkrankungen.
Diabetisches Fußsyndrom
Durch Nervenschäden (Neuropathie) spüren Betroffene Verletzungen an den Füßen oft nicht. Kleine Wunden können sich unbemerkt entzünden und schlecht heilen. Tägliche Fußkontrolle und sorgfältige Fußpflege sind in der häuslichen Pflege deshalb besonders wichtig.
Sturzgefahr
Diabetes erhöht das Sturzrisiko – durch Schwindel bei Unterzuckerung, durch Neuropathie in den Füßen oder durch Seheinschränkungen. Maßnahmen zur Sturzprävention sind daher Teil einer guten Diabetes-Pflege.
Diabetes-Pflege zu Hause: Die wichtigsten Aufgaben
1. Blutzucker regelmäßig messen
Wie oft und wann gemessen werden sollte, legt der behandelnde Arzt fest. Dokumentieren Sie die Werte in einem Diabetes-Tagebuch oder einer App – das erleichtert dem Arzt die Therapieanpassung. Achten Sie auf eine korrekte Handhabung des Messgeräts und regelmäßigen Wechsel der Lanzetten.
2. Medikamente und Insulin zuverlässig verabreichen
Viele ältere Diabetes-Patienten nehmen mehrere Medikamente ein. Ein Medikamentenplan schafft Übersicht und verhindert Verwechslungen. Bei insulinpflichtigen Patienten ist die korrekte Injektion – richtige Dosis, richtige Stelle, richtige Zeit – entscheidend. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie sich die Handgriffe von einer Diabetesberaterin oder dem Pflegedienst zeigen.
3. Ernährung anpassen
Eine ausgewogene Ernährung ist bei Diabetes im Alter besonders wichtig – aber sie muss alltagstauglich sein. Strenge Diäten sind im hohen Alter selten sinnvoll, weil sie das Risiko einer Mangelernährung erhöhen. Grundsätzlich gilt:
- Regelmäßige Mahlzeiten zu festen Zeiten stabilisieren den Blutzucker.
- Vollkornprodukte, Gemüse und Hülsenfrüchte bevorzugen – sie lassen den Blutzucker langsamer ansteigen.
- Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel einschränken, aber nicht komplett verbieten.
- Ausreichend trinken – mindestens 1,5 Liter am Tag, sofern keine ärztliche Einschränkung vorliegt.
Die Ernährungsberatung durch eine diabetologische Schwerpunktpraxis kann Ihnen helfen, einen alltagstauglichen Ernährungsplan für Ihren Angehörigen zu erstellen.
4. Füße täglich kontrollieren
Kontrollieren Sie die Füße Ihres Angehörigen täglich auf Rötungen, Blasen, Druckstellen, Risse und Pilzbefall. Achten Sie auf gut sitzende Schuhe, wechseln Sie Strümpfe täglich und vermeiden Sie barfuß laufen. Die medizinische Fußpflege (Podologie) wird bei Diabetes ab bestimmten Risikostufen von der Krankenkasse übernommen.
5. Bewegung fördern
Regelmäßige Bewegung verbessert die Insulinempfindlichkeit und senkt den Blutzucker. Das muss kein Sport sein – tägliche Spaziergänge, leichte Gymnastik oder Gartenarbeit reichen oft aus. Stimmen Sie das Bewegungsprogramm mit dem Arzt ab, um Unterzuckerungen zu vermeiden.
Wann ist eine 24-Stunden-Betreuung bei Diabetes sinnvoll?
Eine 24-Stunden-Betreuung kann sinnvoll werden, wenn Ihr Angehöriger die Diabetes-Versorgung nicht mehr selbstständig bewältigen kann – etwa wenn die Blutzuckermessung vergessen wird, die Insulingabe nicht mehr zuverlässig klappt oder zusätzlich eine Demenzerkrankung vorliegt. Eine Betreuungskraft, die rund um die Uhr vor Ort ist, kann die regelmäßige Medikamenteneinnahme sicherstellen, auf die Ernährung achten, Notfallsituationen wie eine Unterzuckerung schnell erkennen und bei der täglichen Fußpflege unterstützen.
Wenn Sie sich unverbindlich informieren möchten, welche Betreuungslösung zu Ihrer Situation passt, nutzen Sie unseren kostenlosen Qualifizierungs-Fragebogen.
Pflegegrad bei Diabetes: Welche Leistungen stehen Ihnen zu?
Diabetes allein führt nicht automatisch zu einem Pflegegrad. Entscheidend ist, wie stark die Selbstständigkeit im Alltag eingeschränkt ist. Wenn Ihr Angehöriger aufgrund der Diabetes-Folgen – etwa schwere Neuropathie, Sehverlust oder Amputationen – auf regelmäßige Hilfe angewiesen ist, kann ein Pflegegrad beantragt werden. Die Begutachtung erfolgt durch den Medizinischen Dienst (MD) nach dem gleichen Verfahren wie bei anderen Erkrankungen.
Mit einem Pflegegrad stehen Ihrem Angehörigen unter anderem Pflegegeld, Pflegesachleistungen und der Entlastungsbetrag zu. Diese Leistungen können auch zur Finanzierung einer 24-Stunden-Betreuung beitragen – mehr dazu erfahren Sie in unserem Ratgeber zu den Kosten der 24-Stunden-Pflege.
Häufige Fragen zur Diabetes-Pflege im Alter
Woran erkenne ich eine Unterzuckerung bei meinem Angehörigen?
Typische Anzeichen sind Zittern, Schwitzen, Blässe, Herzrasen, Verwirrtheit, Reizbarkeit und Konzentrationsprobleme. Ist Ihr Angehöriger wach und kann schlucken, geben Sie schnell wirksamen Zucker (10 bis 20 Gramm, etwa Traubenzucker oder ein Glas Fruchtsaft), messen Sie nach etwa 15 Minuten erneut und bieten Sie danach eine kleine Mahlzeit an. Ist er nicht ansprechbar oder bewusstlos: nichts zu essen oder zu trinken geben, sofort den Notruf 112 wählen und ihn in die stabile Seitenlage bringen. Ein ärztlich verordnetes Glukagon-Notfallset können Sie anwenden – Insulin nie.
Wie oft sollte der Blutzucker gemessen werden?
Das hängt von der Therapieform ab. Bei Insulintherapie häufig mehrmals täglich, bei Tabletten-Therapie oft seltener. Der behandelnde Arzt legt die Frequenz individuell fest.
Übernimmt die Krankenkasse die medizinische Fußpflege?
Ja, bei Diabetes mit nachgewiesenem Fußsyndrom-Risiko (ab Wagner-Stadium 0 / Risikokategorie) übernimmt die Krankenkasse die podologische Behandlung auf Verordnung des Arztes.
Darf mein Angehöriger mit Diabetes noch Süßes essen?
In Maßen ja. Moderne Diabetes-Ernährungsempfehlungen erlauben kleine Mengen Zucker im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung. Im hohen Alter steht die Lebensqualität im Vordergrund – besprechen Sie die Ernährung mit dem Diabetologen.