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Dekubitus vorbeugen: Wundliegen in der Pflege zu Hause verhindern

Zusammenfassung

  • Ein Dekubitus entsteht durch anhaltenden Druck an Stellen, an denen Knochen dicht unter der Haut liegen: Steißbein, Fersen, Hüften, Schulterblätter und Gesäß.
  • Die wirksamste Vorbeugung ist regelmäßiger Positionswechsel – die starre Zwei-Stunden-Regel ist fachlich nicht belegt, der Rhythmus gehört individuell festgelegt.
  • Eine Rötung, die nach der Entlastung nicht verschwindet, ist bereits Stadium 1 und das Signal zum Handeln.
  • Anti-Dekubitus-Matratzen zahlt auf ärztliche Verordnung die Krankenkasse, das Pflegebett stellt die Pflegekasse – vorrangig leihweise.
  • Eincremen verhindert Druckgeschwüre nicht; entscheidend sind Entlastung, Bewegung und eine saubere, trockene Haut.
  • Die Wundversorgung ist Behandlungspflege und gehört zum Pflegedienst auf ärztliche Verordnung.

Wenn ein Mensch viel liegt oder im Rollstuhl sitzt, drückt das eigene Körpergewicht ständig auf dieselben Hautstellen. Die Haut wird dort schlechter durchblutet, und aus einer harmlos wirkenden Rötung kann innerhalb weniger Tage eine offene Wunde werden. Viele Angehörige merken erst, wie schnell das geht, wenn es passiert ist. Die gute Nachricht: Wundliegen lässt sich zu Hause in den meisten Fällen verhindern – mit Aufmerksamkeit, Bewegung und den richtigen Hilfsmitteln.

Was ein Dekubitus ist und wie er entsteht

Ein Dekubitus ist eine offene Wunde, die durch anhaltenden äußeren Druck auf die Haut entsteht. Betroffen sind vor allem Stellen, an denen Knochen dicht unter der Haut liegen: Steißbein, Fersen, Hüften und Schulterblätter beim Liegen, das Gesäß beim Sitzen. Der Druck unterbricht die Durchblutung, das Gewebe wird nicht mehr ausreichend versorgt und kann absterben (IQWiG, gesundheitsinformation.de, Stand Februar 2026).

Die Wunde wird in vier Stadien eingeteilt:

  • Stadium 1: Die Haut ist unversehrt, aber gerötet.
  • Stadium 2: Die oberen Hautschichten sind beschädigt – eine Blase oder eine Abschürfung.
  • Stadium 3: Alle Hautschichten sind zerstört, die Wunde reicht bis in die Fettschicht.
  • Stadium 4: Auch tiefer liegendes Gewebe ist zerstört, Muskeln, Sehnen oder Knochen können sichtbar sein.

Ab Stadium 2 ist die Behandlung langwierig. Deshalb zählt jeder Tag, an dem Sie eine beginnende Rötung bemerken und entlasten.

Wer besonders gefährdet ist

Gefährdet sind Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit: wer lange im Bett liegt, viel im Rollstuhl sitzt, sehr geschwächt, gelähmt oder nicht bei Bewusstsein ist. Das Risiko steigt zusätzlich bei:

  • Lähmungen und gestörtem Schmerzempfinden – der Körper meldet den Druck nicht mehr
  • Diabetes mellitus, wenn das Schmerzempfinden beeinträchtigt ist
  • Durchblutungsstörungen und Arteriosklerose
  • Unterernährung und zu wenig Flüssigkeit
  • Inkontinenz: Urin, Stuhl und Schweiß weichen die Haut auf
  • Reibung und Scherkräften beim Bewegen – etwa wenn jemand im Bett nach oben gezogen statt angehoben wird

Der Zusammenhang mit Feuchtigkeit wird häufig unterschätzt. Wie Sie die Haut bei Blasen- oder Darmschwäche schützen und welche Hilfsmittel dabei helfen, lesen Sie in unserem Ratgeber zu Inkontinenz im Alter.

Die wirksamste Maßnahme: Bewegung und Positionswechsel

Der beste Schutz vor Druckgeschwüren ist, die Liege- oder Sitzposition regelmäßig zu ändern. Auch der Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe in der Pflege“ des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (2. Aktualisierung 2017) räumt der Bewegungsförderung einen zentralen Stellenwert ein.

Häufig hört man die Regel, alle zwei Stunden umzulagern. Das IQWiG weist ausdrücklich darauf hin, dass sich die optimale Häufigkeit nicht pauschal sagen lässt: Sie ist individuell verschieden, und zu häufiges Umlagern kann Schlafstörungen und Schmerzen verursachen. Lassen Sie sich den passenden Rhythmus deshalb vom Pflegedienst oder in einem Pflegekurs der Pflegekasse zeigen, statt starr nach der Uhr zu arbeiten.

Worauf es dabei ankommt:

  • Eigenbewegung fördern, solange es geht – jeder selbst ausgeführte Positionswechsel ist besser als jeder fremde.
  • Anheben statt ziehen. Wird jemand über die Unterlage gezogen, entstehen Scherkräfte, die die Haut schädigen. Ein Gleittuch oder eine zweite Person hilft.
  • Fersen frei lagern. Die Fersen lassen sich mit einem Kissen unter den Unterschenkeln von der Unterlage abheben – eine einfache und wirksame Maßnahme.
  • Auch im Sitzen entlasten. Wer lange im Sessel oder Rollstuhl sitzt, braucht ebenso regelmäßige Entlastung des Gesäßes.
  • Faltenfrei betten. Jede Falte im Laken und jede Krume ist eine Druckstelle.

Haut täglich ansehen – und was dabei auffällt

Machen Sie die Hautkontrolle zu einem festen Teil des Tages, zum Beispiel beim Waschen. Sehen Sie sich Steißbein, Fersen, Hüften, Schulterblätter, Ohren und, falls jemand auf der Seite liegt, die Knöchel und Knie an. Eine Rötung, die nach dem Positionswechsel nicht innerhalb weniger Minuten verschwindet, ist ein Warnsignal. Auch wenn Ihr Angehöriger sagt, eine Stelle werde „wund“ oder brenne, nehmen Sie das ernst – solche Empfindungen gehen der sichtbaren Veränderung oft voraus.

Zur Hautpflege: Sauberkeit ist entscheidend, besonders bei Inkontinenz. Cremes sind nur bei sehr trockener Haut sinnvoll – dass regelmäßiges Eincremen Druckgeschwüre verhindert, ist nicht nachgewiesen. Kräftiges Reiben oder Massieren gefährdeter Stellen sollten Sie vermeiden. Von Schaffellen raten Fachleute ab; andere Hilfsmittel sind vorzuziehen.

Welche Hilfsmittel es gibt und wer sie bezahlt

Spezielle Matratzen und Auflagen können das Risiko senken. Üblich sind Weichlagerungssysteme aus Schaumstoff, Gel oder Luft, Wechseldruckmatratzen, bei denen sich der Luftdruck in mehreren Kammern mehrmals pro Stunde ändert, und Mikrostimulationssysteme. Bei hohem Risiko können zusätzlich vorbeugende Wundauflagen sinnvoll sein, die vor Reibung schützen.

Die Kostenfrage hängt am konkreten Gegenstand – und die Zuständigkeit ist unterschiedlich:

  • Anti-Dekubitus-Matratzen und -Auflagen stehen in der Produktgruppe 11 des Hilfsmittelverzeichnisses des GKV-Spitzenverbands. Sie sind damit Sache der Krankenkasse und brauchen eine ärztliche Verordnung. Die Zuzahlung beträgt 10 Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro (§ 33 Absatz 8, § 61 SGB V, Stand: Oktober 2026).
  • Das Pflegebett ist ein technisches Pflegehilfsmittel der Pflegekasse. Es wird vorrangig leihweise überlassen; dann fällt keine Zuzahlung an (§ 40 Absatz 3 SGB XI). Wie der Antrag läuft, steht in unserem Ratgeber Pflegebett beantragen.
  • Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel wie Einmalhandschuhe und Bettschutzeinlagen übernimmt die Pflegekasse mit bis zu 42 Euro im Monat (§ 40 Absatz 2 SGB XI, Stand: Oktober 2026).

Welches System im Einzelfall passt, entscheidet nicht der Katalog, sondern die ärztliche und pflegerische Einschätzung des Risikos. Lassen Sie sich die Auswahl begründen, bevor Sie etwas privat kaufen.

Essen, Trinken und Mundgesundheit

Unterernährung und zu wenig Flüssigkeit gehören zu den Risikofaktoren. Gleichzeitig ist die Studienlage nüchtern: Dass hochkalorische oder eiweißreiche Nahrungsergänzung Druckgeschwüre verhindert, konnte nicht nachgewiesen werden. Eine ausreichende, ausgewogene Ernährung bleibt trotzdem wichtig – und sie beginnt oft im Mund: Wer nicht mehr schmerzfrei kauen kann, isst weniger. Lassen Sie deshalb auch die Zähne ansehen; welche Leistungen dafür zustehen, steht in unserem Ratgeber zum Zahnarzt bei Pflegegrad. Ungeklärter Gewichtsverlust gehört in jedem Fall hausärztlich abgeklärt.

Wenn sich bereits eine Wunde gebildet hat

Ein Dekubitus ab Stadium 2 ist eine Wunde, die ärztlich beurteilt und fachgerecht versorgt werden muss. Zur Behandlung gehören die konsequente Druckentlastung, Wundauflagen, die die Wunde feucht halten und vor Infektionen schützen, ab Stadium 3 das Entfernen abgestorbenen Gewebes und bei Bedarf Schmerzmittel oder Antibiotika.

Die Wundversorgung ist Behandlungspflege. Sie wird ärztlich verordnet und von einem Pflegedienst als häusliche Krankenpflege zulasten der Krankenkasse erbracht (§ 37 SGB V). Für Versicherte ab 18 Jahren beträgt die Zuzahlung 10 Prozent für höchstens 28 Tage im Jahr plus 10 Euro je Verordnung – unabhängig vom Pflegegrad (§ 37 Absatz 5, § 61 SGB V, Stand: Oktober 2026). Was die Leistung umfasst und wie Sie sie bekommen, erklärt unser Ratgeber zur häuslichen Krankenpflege.

Holen Sie ärztliche Hilfe, sobald eine Rötung nicht verschwindet, die Haut offen ist oder sich der Zustand verschlechtert. Zeichen für eine Infektion sind Wärme, zunehmende Rötung, Eiter, übler Geruch und Fieber. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Bei Fieber mit Schüttelfrost, plötzlicher Verwirrtheit, schneller Atmung oder einem rasch schlechter werdenden Allgemeinzustand rufen Sie sofort den Notruf 112 – das können Anzeichen einer Blutvergiftung sein. Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

Diese Aufgabe nicht allein tragen

Prophylaxe rund um die Uhr ist für eine Person allein kaum zu leisten, erst recht nicht neben Beruf und eigener Familie. Pflegekurse der Pflegekasse sind kostenlos und zeigen Positionswechsel und Transfer praktisch. Ein Pflegedienst kann die Anleitung übernehmen und die Wundversorgung sicherstellen. Und wer dauerhaft Unterstützung im Haushalt braucht, findet auf unserer Seite zur 24-Stunden-Pflege einen Überblick, was eine Betreuungskraft im Alltag leisten kann.

Häufige Fragen zum Wundliegen

Muss ich wirklich alle zwei Stunden umlagern?

Die Zwei-Stunden-Regel ist eine verbreitete Faustformel, aber keine feste Vorgabe. Wie oft ein Positionswechsel nötig ist, hängt vom Risiko, von der Matratze und vom Allgemeinzustand ab. Zu häufiges Umlagern kann den Schlaf stören und Schmerzen auslösen. Lassen Sie sich den Rhythmus pflegefachlich festlegen.

Wie erkenne ich den Beginn eines Dekubitus?

An einer Rötung über einem Knochenvorsprung, die nach der Entlastung nicht rasch verschwindet. Die Haut ist dabei noch unversehrt. Das ist Stadium 1 – und der Zeitpunkt, an dem konsequente Entlastung meistens noch alles abwendet.

Zahlt die Pflegekasse die Wechseldruckmatratze?

Anti-Dekubitus-Matratzen und -Auflagen stehen im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands (Produktgruppe 11) und sind damit in der Regel Sache der Krankenkasse auf ärztliche Verordnung. Das Pflegebett selbst stellt dagegen die Pflegekasse, vorrangig leihweise.

Hilft Eincremen gegen Wundliegen?

Nein, dafür gibt es keine Nachweise. Cremes sind nur bei sehr trockener Haut sinnvoll. Wichtiger sind Druckentlastung, Bewegung und eine saubere, trockene Haut.

Darf eine Betreuungskraft die Wunde versorgen?

Nein. Wundversorgung ist Behandlungspflege und gehört zu einem Pflegedienst mit ärztlicher Verordnung. Eine Betreuungskraft kann beim Positionswechsel und bei der täglichen Körperpflege unterstützen – je nach Ausbildung –, aber keine Wunden behandeln und keine Medikamente geben.

Wenn Sie merken, dass die Pflege zu Hause mehr tägliche Präsenz braucht, als Sie leisten können, kann eine Betreuungskraft im Haushalt entlasten. Sie arbeitet rund 40 Stunden pro Woche, unterstützt im Haushalt und im Alltag und ist außerhalb ihrer Arbeitszeit für Notfälle da; pflegerische Behandlungen bleiben beim Pflegedienst. Über unseren Fragebogen erhalten Sie kostenlose Vorschläge für eine passende Betreuungskraft.