Ein Sturz in der Wohnung, ein plötzlicher Schwächeanfall, ein medizinischer Notfall — und niemand ist in der Nähe. Für viele Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen ist das eine beängstigende Vorstellung. Ein Hausnotruf gibt Sicherheit: Auf Knopfdruck wird eine Notrufzentrale verständigt, die sofort Hilfe organisiert.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, was ein Hausnotruf kostet, welchen Zuschuss die Pflegekasse zahlt, welche Anbieter es gibt und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten.
Was ist ein Hausnotruf und wie funktioniert er?
Ein Hausnotrufsystem besteht aus einem Basisgerät (ähnlich einer kleinen Telefonstation) und einem tragbaren Funksender, den die pflegebedürftige Person als Armband oder Halskette trägt. Wird der Notrufknopf gedrückt, stellt das Gerät automatisch eine Sprechverbindung zur Notrufzentrale her. Die Zentrale ist rund um die Uhr besetzt und kann je nach Situation Angehörige informieren, den Rettungsdienst rufen oder einen Bereitschaftsdienst schicken.
Damit schließt ein Hausnotruf eine wichtige Sicherheitslücke — besonders für Menschen, die einen Großteil des Tages allein sind oder die im Notfall kein herkömmliches Telefon bedienen können.
Was kostet ein Hausnotruf?
Die meisten Anbieter staffeln ihre Leistungen in drei Pakete:
Basis-Paket (ab ca. 25 Euro/Monat)
- Notrufgerät und Funksender (Armband oder Kette)
- 24/7-Notrufzentrale
- Alarmierung hinterlegter Kontaktpersonen
- Wartung und Gerätetausch
Dieses Paket wird bei Vorliegen eines Pflegegrades von der Pflegekasse vollständig übernommen.
Komfort-Paket (ca. 35–45 Euro/Monat)
- Alles aus dem Basis-Paket
- Schlüsselverwahrung beim Anbieter (damit Rettungskräfte ins Haus kommen)
- Hinterlegung wichtiger Gesundheitsdaten
- Teilweise Anbindung an Rauchmelder
Die Pflegekasse übernimmt bis zu 25,50 Euro — den Rest (ca. 10–20 Euro monatlich) tragen Sie selbst.
Premium-/Mobil-Paket (ca. 45–60 Euro/Monat)
- Alles aus dem Komfort-Paket
- Mobiler Notruf mit GPS-Ortung (auch unterwegs)
- Automatische Sturzerkennung
Für Menschen, die noch mobil sind und auch außerhalb der Wohnung geschützt sein möchten.
Zuschuss der Pflegekasse: bis zu 25,50 Euro monatlich
Ein Hausnotrufsystem ist ein anerkanntes technisches Pflegehilfsmittel nach § 40 SGB XI. Die Pflegekasse übernimmt monatlich bis zu 25,50 Euro für die Grundleistung sowie einmalig bis zu 10,49 Euro für die Installation (Stand 2026).
Voraussetzungen für die Kostenübernahme:
- Es liegt ein anerkannter Pflegegrad vor (Pflegegrad 1 bis 5)
- Die Person ist überwiegend allein zu Hause oder lebt mit jemandem zusammen, der im Notfall nicht helfen kann
- Die Person kann im Notfall wahrscheinlich kein herkömmliches Telefon bedienen
Der Antrag ist unkompliziert — die meisten Anbieter helfen dabei und reichen ihn direkt bei der Pflegekasse ein.
Ohne Pflegegrad müssen Sie die Kosten vollständig selbst tragen. Das Basis-Paket kostet dann etwa 25–30 Euro pro Monat — eine überschaubare Investition für mehr Sicherheit.
Anbieter im Überblick
Die vier großen Wohlfahrtsverbände bieten bundesweit Hausnotrufsysteme an:
- Deutsches Rotes Kreuz (DRK) — größtes Netz, Basis ab 25,50 Euro, Komfort ab 36 Euro
- Malteser — keine Anschlussgebühr, Basis ab 25,50 Euro, Komfort ab 36,90 Euro
- Johanniter — eigene Notrufzentrale, Basis ab 27 Euro, Komfort ab 39 Euro
- ASB (Arbeiter-Samariter-Bund) — oft günstig bei Komfort-Paketen, Basis ab 25,50 Euro
Daneben gibt es private Anbieter wie Libify oder Patronus, die sich auf mobile Notrufsysteme mit GPS-Ortung spezialisiert haben (ab ca. 30 Euro/Monat, kein Festnetzanschluss nötig).
Tipp: Vergleichen Sie nicht nur den Preis, sondern auch die Reaktionszeiten in Ihrer Region und ob der Anbieter einen Schlüsseldienst anbietet.
Hausnotruf und 24-Stunden-Betreuung: Braucht man beides?
Wenn eine 24-Stunden-Betreuungskraft im Haushalt lebt, ist die pflegebedürftige Person selten allein. Trotzdem kann ein Hausnotruf sinnvoll sein — etwa wenn die Betreuungskraft einkaufen geht, ihre Freizeit nutzt oder nachts schläft. Bei einem Sturz im Bad nachts kann ein Notrufsender am Handgelenk schneller Hilfe holen als ein Ruf durchs Haus.
Da der Zuschuss der Pflegekasse das Basis-Paket vollständig abdeckt, entstehen in den meisten Fällen keine zusätzlichen Kosten.
So beantragen Sie einen Hausnotruf
- Anbieter auswählen — vergleichen Sie Pakete und Preise in Ihrer Region
- Antrag bei der Pflegekasse — der Anbieter hilft beim Ausfüllen und Einreichen
- Installation — ein Techniker schließt das Gerät an und erklärt die Bedienung
- Testnotruf — direkt nach der Installation einen Probenotruf auslösen, um sicherzugehen, dass alles funktioniert
Die meisten Anbieter bieten eine Mindestvertragslaufzeit von einem Monat und eine kurze Kündigungsfrist — Sie gehen also kein langfristiges Risiko ein.
Häufige Fragen
Ab welchem Pflegegrad zahlt die Pflegekasse den Hausnotruf?
Ab Pflegegrad 1. Die Pflegekasse übernimmt das Basis-Paket (bis 25,50 Euro/Monat) vollständig, wenn die pflegebedürftige Person überwiegend allein ist und im Notfall kein Telefon bedienen kann.
Kann ich den Hausnotruf von der Steuer absetzen?
Ja. Die Eigenanteile für einen Hausnotruf können Sie als haushaltsnahe Dienstleistung in der Steuererklärung geltend machen — bis zu 20 Prozent der Kosten, maximal 4.000 Euro pro Jahr.
Funktioniert ein Hausnotruf ohne Festnetzanschluss?
Ja. Moderne Geräte arbeiten über das Mobilfunknetz. Einige private Anbieter bieten rein mobilfunkbasierte Systeme an, die auch unterwegs funktionieren (mobiler Notruf mit GPS).
Was passiert, wenn der Notruf versehentlich ausgelöst wird?
Die Notrufzentrale meldet sich über die Sprechverbindung und klärt die Situation. Ein Fehlalarm hat keine negativen Folgen — lieber einmal zu viel drücken als einmal zu wenig.
Gibt es auch Notrufsysteme mit automatischer Sturzerkennung?
Ja, einige Anbieter bieten Geräte mit eingebauter Sturzerkennung an (meist im Premium-Paket). Diese lösen automatisch Alarm aus, wenn ein Sturz erkannt wird — auch wenn die Person den Knopf nicht mehr selbst drücken kann.
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